Was wird aus der SEPA Lastschrift im Onlineshop?

Was wird aus der SEPA Lastschrift im Onlineshop?

SEPA Lastschrift Onlineshop

Die SEPA Lastschrift im Onlineshop ist ein bei Kunden durchaus beliebtes Zahlverfahren, denn sie ist bequem und sicher: Nötigenfalls kann sich der Käufer das Geld in einem gewissen Zeitraum zurückholen. Nach einem EuGH-Urteil könnte aber nun die SEPA Lastschrift im Onlineshop bei vielen Händlern verschwinden: Sie muss nämlich allen EU-Kunden angeboten werden oder darf im Gegenzug keinem angeboten werden.

EuGH-Urteil zur SEPA Lastschrift im Onlineshop

Der österreichische Verbraucherschutzverband hatte in Österreich Klage gegen die Deutsche Bahn eingereicht: Über die Webseite der Deutschen Bahn konnten getätigte Buchungen lediglich von Kunden mit Wohnsitz in Deutschland mit einer SEPA Lastschrift im Onlineshop bezahlt werden. Das verstieß nach der Auffassung des Verbandes gegen geltendes EU-Recht. Die Klage landete zunächst vor dem obersten österreichischen Gerichtshof, der sie an den EuGH weiterreichte. Dieser bestätigte in seinem Urteil die Ansicht der österreichischen Verbraucherschützer. Das Urteil hat EU-weite Bedeutung. Die SEPA Lastschrift im Onlineshop muss damit entweder allen EU-Kunden angeboten werden oder vollkommen entfallen. Die Auswirkungen auf den europaweiten Onlinehandel könnten gravierend sein.

EuGH: SEPA Lastschrift im Onlineshop unabhängig vom Wohnsitz

Der EuGH begründet sein Urteil damit, dass die EU-Verordnung zu Lastschriften und Überweisungen in der Währung Euro der Vertragsklausel widerspricht, die solche Zahlungen vom Wohnsitz abhängig macht. Alternative Zahlungsmethoden wie PayPal, Sofortüberweisung oder Kreditkarte würden dabei keine Rolle spielen, so die obersten europäischen Richter. Allerdings stehe es den Anbietern nach wie vor frei, welche Zahlungsmethoden sie ihren Kunden anbieten. Wenn sich aber unter den angebotenen Varianten die SEPA Lastschrift befindet, muss sie europaweit gelten. Ansonsten würde das Zahlungsverfahren dem Kunden praktisch vorschreiben, wo er sein Konto führt. Das widerspricht der europäischen Handels- und Dienstleistungsfreiheit.

Des Weiteren fasst das Urteil zwei EU-Verordnungen zusammen: die vom Gericht ausdrücklich benannte SEPA-Verordnung und außerdem die Geoblocking-Verordnung. Laut SEPA-Verordnung dürfen EU-Bürger nicht durch bestimmte Zahlungsmethoden diskriminiert werden. Das schließt unter anderem ein, dass Händler Zahlungen von jedem EU-Konto akzeptieren müssen. Die Geoblocking-Verordnung fügt dem die Vorschrift hinzu, dass EU-Onlinehändler aus jedem EU-Land Bestellungen entgegennehmen müssen. Gegenüber dieser Vorschrift machte die Deutsche Bahn eine Ausnahmeregelung geltend: Laut Geoblocking-Verordnung dürfen Händler eine riskante Zahlungsmethode einschränken, wenn sie vom EU-Kunden eines anderen Landes keine Bonitätsinformationen einholen können. Die SEPA-Verordnung ist allerdings gewichtiger.

SEPA Lastschrift im Onlineshop: riskant für Händler

Die SEPA Lastschrift im Onlineshop ist für Händler prinzipiell riskant – so riskant wie der Rechnungskauf. Zwar kann der Händler den Betrag schon vor der Lieferung vom Konto des Kunden abbuchen, doch der Kunde kann ihn nach der Lieferung wieder zurückbuchen. Das funktioniert acht Wochen lang ohne Angabe von Gründen. Im Streitfall – etwa bei schwerwiegenden Liefermängeln – verlängert sich die Frist für diese Rückbuchung auf bis zu 13 Monate. Rückbuchungen kommen aber weit häufiger vor, weil die Kunden die Ware nach dem Erhalt doch nicht so sehr mögen, wie sie anfangs geglaubt hatten, selbst wenn sie frei von Mängeln ist. Sie müssen sie dann an den Händler zurückschicken, was nur mehr oder minder zuverlässig funktioniert.

Sollten sie das unterlassen, muss der Händler die Bezahlung oder Rücksendung anmahnen. Es entstehen dabei unweigerlich Forderungsausfälle, welche viele Händler auch damit begründen, dass dem Kunden mangels ausreichender Liquidität die Ware einfach zu teuer war. Also sichern sich die Händler am besten mit einer Bonitätsprüfung ab, was im Inland ausgezeichnet funktioniert, im Ausland hingegen nicht so gut – es sei denn, der Händler würde an all die Gläubigerschutzverbände in Europa Gebühren bezahlen, die für ihn von Kunden des jeweiligen Inlandes die Bonität überprüfen.

In Österreich wären das beispielsweise der KSV1870 (vergleichbar mit unserer SCHUFA) oder auch der Alpenländische Kreditorenverband. Das ist vielen Händlern zu teuer. Die Kosten für Österreich beispielsweise steigen für einen deutschen Händler um den Faktor 15 gegenüber einer Bonitätsüberprüfung von deutschen Kunden. Die deutsche SCHUFA betreibt zwar Partnernetzwerke in anderen europäischen Ländern, aber nur in 10 von 28 EU-Mitgliedsstaaten (darunter auch in Österreich), wo sie wiederum nicht so lückenlos wie in Deutschland alle Verbraucher erfasst.

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